Mittwoch, 8. März 2017

Der Weg nach Hause

Wenn die Schleier der Trennung durchlässig sind,
reise ich an einen Ort in meiner Seele.
Manchmal zieht es mich einfach dort hin,
weil ich spüre, dass auch du gerade dort bist.

Dieser Ort hat mir lange Angst gemacht.
Weil er Gefühle weckte, die kaum auszuhalten waren.
Ich wusste immer, dass es ihn gibt.
Wie hätte ich ihn auch vergessen können?

Ich wagte mich viele Jahre nicht mehr da hin.
Zu sehr brachte der Weg den Schmerz zurück,
der mit unserer Liebe verbunden war.
Er schien untrennbar mit ihr verwoben zu sein.

Dann trafen wir uns wieder.
Zusammen gelangten wir mühelos an diesen Ort.
Wir zeigten einander die Liebe,
nach der wir uns so lange gesehnt hatten.

Du gingst fort und ich blieb mit drei Aufgaben zurück:
die Angst zu überwinden,
den Weg alleine zu gehen,
den Ort zu meinem Zuhause zu machen.

Ich habe mich der Angst gestellt.
Sie machte mich wütend und hilflos.
Ich haderte, ich schrie und heulte.
Ich traf auf offene Wunden.

Ich erschrak und schaute sie mir an.
Sie waren tief und äusserst empfindlich. 
Ich überwand die Angst und nahm mir Zeit für sie.
Ich erlaubte ihnen zu heilen.

Ich bin den Weg alleine gegangen
Er war voller Schutt und Geröll.
Ich musste ihn mit blossen Händen freischaufeln.
Ich schloss Frieden mit meiner Vergangenheit.

Da und dort gabelte sich der Weg.
Ich war ratlos und unsicher.
Ich merkte, dass es egal ist, welche Abzweigung ich nehme.
Jeder Schritt führte mich näher an mein Ziel.

Dann fand ich den Ort in meiner Seele wieder.
Er war voller Licht und Wärme.
Ich spürte, dass ich nicht alleine bin.
Ich fühlte mich geliebt und geborgen.

Nach einer Weile verliess ich den Ort,
glücklich darüber, den Weg alleine gegangen zu sein.
Noch sind unsere Begegnungen flüchtig.
Immer aber sind sie voller Liebe und tiefem Verstehen.

Wenn die Schleier der Trennung durchlässig sind,
reise ich an diesen Ort in meiner Seele.
Wenn du ihn einmal aus eigener Kraft erreicht hast,
kannst du ihn immer wieder gehen.

Die Schleier werden jedes Mal dünner.
Bald werden sie ganz verschwunden sein.
Dann werde ich an diesem Ort der Liebe bleiben können.
Und ihn zu meinem Zuhause machen.

***
geschrieben am 8.3.2017

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