Dienstag, 29. November 2016

Weg der Erkenntnis

Als wir uns wiedersahen,
nahmst du mich bei der Hand,
ludst mich ein auf deinen Turm.

Der Turm war hoch,
gemeinsam stiegen wir empor,
bis mir schwindlig wurde.

Vor meinen Augen verschwamm die Welt,
ich suchte bei dir nach Halt,
doch meine Hände griffen ins Leere.

Ich sah ein Licht,
ging langsam darauf zu,
spürte die wärmende Sonne im Gesicht.

Geblendet von der plötzlichen Helligkeit,
versuchte ich mich abzuwenden,
doch ich rutschte aus und fiel.

Im Fallen hörte ich deine Stimme,
sie sagte "Ich liebe dich."
und "Werde wieder heil.".

Ich schrie und weinte,
konnte nicht begreifen,
warum du mich alleine gelassen hast.

Immer weiter ging der Fall,
verzweifelt schloss ich meine Augen
und fing an zu beten.

Als ich wieder zum Himmel blickte,
sah ich einen Engel,
er sagte leise "Flieg!".

Ich verstand nicht,
der Engel lächelte
"Schau hinter dir!".

Ich blickte nach hinten,
erwartete den Boden zu sehen,
stattdessen erkannte ich meine Flügel.

Mein Herz schlug wie verrückt.
Ich versuchte einen Flügelschlag.
Und dann noch einen.

Ich machte immer weiter,
aus dem Fall wurde ein Flug,
er trug mich fort von deinem Turm.

Der Wind wies mir die Richtung,
ich wusste nicht, wohin er mich bringen will,
begann, meinen Flügeln zu vertrauen.

Der Wind hat nun nachgelassen,
meine Flügel tragen mich weiter,
bis zu einem hohen Turm.

Von der Zinne des Turms blicke ich nach unten,
Erinnerungen werden wach,
Demut erfüllt mein Herz.

Ein Schrei durchbricht die Stille,
ich sehe eine fallende Gestalt,
sie blickt verzweifelt zu mir hoch.

Dieser Moment verändert alles,
ich spüre nichts als Liebe,
erkenne mit grosser Klarheit meinen Weg.

Dankbar nehme ich die Aufgabe an,
zeige dem Fallenden seine Flügel,
damit auch sein Fall zum Flug werden kann.

**

geschrieben am 29.11.2016
Diesen Text widme ich Andrea.
C'è un posto nel mio cuore dove c'è scritto il tuo nome.

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