Donnerstag, 18. August 2016

Im Sturm

Damals
waren wir gedankenlos,
liessen unsere Liebe einfach entgleiten.
Sie blieb auf unserem Lebensweg liegen,
wie ein verlorener Koffer,
den niemand beachtet.

Damals
fügten wir uns,
glaubten der Stimme der Vernunft.
Sie übertönte die Stimme unseres Herzens,
wie der Gesang eines Verirrten,
der die Stille füllen will.

Damals
glaubten wir vergessen zu können,
sperrten unsere Liebe einfach weg.
Sie blieb tief in unserer Seele,
wie ein Schmerz,
den niemand fühlen will.

Tage wurden zu Wochen,
Wochen zu Jahren.
Was blieb, war die Erinnerung.
Das Leben schuf neue Geschichten,
wie ein Buch,
das von allem ein wenig erzählt.

Und dann,
als wir nichts erwarteten,
fanden wir unsere Liebe wieder.
Unvermittelt stand sie vor uns,
wir konnten nicht anders
als uns ihr zu ergeben.

Ein gewaltiger Sturm fegt jetzt durch unser Leben.

Er erschreckt uns.
Wir erstarren.
Er überfordert uns.
Wir fluchen.
Er macht uns Angst.
Wir verweigern uns.

Er reisst an uns.
Wir erkennen.
Er rüttelt an uns.
Wir verstehen.
Er lässt uns nicht los.
Wir entscheiden uns zu kämpfen.

Er durchbricht unsere Mauern.
Wir fühlen wieder alles.
Er wühlt unsere Seele auf.
Wir hören die Stimme unseres Herzens.
Er stellt uns bohrende Fragen.
Wir bleiben standhaft.

Er ist gnadenlos.
Wir sind entschlossen.
Er ringt uns nieder.
Wir stehen wieder auf.
Er erschöpft uns.
Wir geben nicht auf.

Wir wollen lieben
Wir wollen wachsen
Wir stellen uns dem Sturm.


***
geschrieben am 17.8.2016
eigenes Bild (Giardino dei Tarrocchi: La Torre)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen