Samstag, 2. Juli 2016

Das Geschenk

Wir waren jung,
begriffen nicht, welches Geschenk uns zuteil geworden war.
Wir dachten, so ist Liebe immer:
Tief und doch leicht, fraglos und völlig widerstandsfrei.

Wir verloren einander aus den Augen.
Die Erinnerung an die Mühelosigkeit unserer Liebe
setzte den Massstab für die Zukunft.
Sie mit jemand anderem zu erfahren, schien gänzlich unmöglich.

Wir begegneten einander wieder,
ein Sternenregen in der Hitze des Sommers.
Die Mühelosigkeit war sofort wieder da,
wühlte unsere Seele auf.

Blicke, die miteinander tanzten,
Worte, die einander ergänzten.
Gefühle, die sich umeinander legten,
Gedanken, die sich ineinander verwoben.

Hände, die einander umschlossen
Küsse, die miteinander spielten.
Berührungen, die ineinander verschmolzen.
zwei Seelen, die einander nochmals umschlangen.

Wir liessen alles geschehen,
waren einander so vertraut wie zuvor,
wussten einfach, es ist gut,
genauso, wie es ist.

Wir gingen wieder auseinander,
zu mächtig waren die Gefühle,
zu überwältigend die Intensität,
zu heftig die Erschütterungen in unserer Seele.

Wir mussten uns den Abgründen stellen,
die wir lange nicht hatten sehen wollen,
den Wunden, deren Anblick wir kaum ertrugen,
den Fragen, die nur wir selber beantworten konnten.

Wir machten uns auf den Weg,
konnten nicht anders als uns dem Schmerz zu ergeben,
um wieder zu uns selber zu finden
und frei zu werden für die wahre Liebe.

Jetzt lassen wir einander los,
nehmen Abschied voneinander,
dankbar für das Geschenk der Mühelosigkeit,
das uns erlaubte, wieder ganz zu werden.

***
geschrieben am 2.7.2016

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